Brillenglas Herstellung, am Anfang steht der Blank

Brillenglas Herstellung, am Anfang steht der Blank

Dass Brillengläser nicht einfach so an Bäumen wachsen, das kann man sich denken. Sie fallen nicht nach einer Reifezeit einfach herunter, werden dann nicht aufgesammelt, verpackt und an den Augenoptiker geschickt. Aber wie kommen die fertigen Brillengläser geschliffen und beschichtet zum Augenoptiker?

Begriffserklärung:

Blank: Bezeichnet sowohl einen Pressling / Linsenrohling als auch ein Halbfrabikat.

Brillenglasblank bei der Hestellung
Brillenglasblank bei der Hestellung

Glas ist nicht gleich Glas

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Brillengläsern – mineralische und organische. Beide Materialien sitzen am Ende des Produktionsprozesses in Brillenfassungen auf der Nase des Trägers und verhelfen zu besserer Sicht. Bis es allerdings soweit ist durchlaufen sie einen langen und aufwändigen Weg, der sich direkt im ersten Schritt bei der Herstellung unterscheidet. Bei den einen geht es unter Druck heiß zur Sache, die anderen fließen und genießen bis zu 48 Stunden wohlige Wärme.

Organisches Glas (Kunststoffglas)

Bis 1947 existierten ausschließlich mineralische Brillengläser. Mit der Markteinführung von CR39 konnten zum ersten Mal Brillengläser aus vollsynthetisch hergestellten Kunststoffen gefertigt werden. Seit dem läuft die Entwicklung von organischen Brillengläsern auf Hochtouren. Die Jagd nach immer dünneren Gläsern, höheren Indexen, aber auch nach besserem Tragekomfort ist seitdem eröffnet. Wie auch bei mineralischen Gläsern wird im ersten Schritt das Material gemischt. Bei organischen Kunststoffen besteht der Ausgangsstoff aus einem oder mehreren Monomeren. Die in grobem Pulver oder flüssig vorliegenden Monomere werden mit einem Initiator und weiteren Zusatzstoffen angereichert. Im Anschluss fließt die Masse in Gießformen (bei der Polymerisation) oder wird im Spritzguss-Verfahren in die Formen gespritzt. Die eingesetzten Gießformen bestehen aus zwei Formschalen die mit einem Dichtungsring verbunden sind. Nach dem Befüllen werden die Formen erwärmt, wodurch der vorher beigemischte Initiator seine Reaktion startet und die Masse härtet. Über bis zu 48 Stunden härtet das Material dann im Ofen in einem definierten Hitzezyklus zwischen 85°C und 130°C aus. Bei diesem Vorgang schrumpft das Material je nach Brechzahl um bis zu 14%! Nach der Aushärtung wird der Dichtungsring entfernt und das organische Brillenglas aus den Formscheiben gelöst. Um entstandene Spannungen im Glas zu verringern erfolgt teilweise noch eine abschließende Temperaturbehandlung.

Mineralisches Glas

Mineralisches Glas wurde erstmals etwa um 1250 für Brillengläser genutzt. Seit dem hat sich der Produktionsprozess im Groben nicht verändert. Der erste Schritt auf dem Weg zum Brillenglas ist die Herstellung der Glasschmelze. Hierfür werden ca. 70% Glasbildner (Quarz), 20% Flussmittel (Pottasche und Soda) mit 10% Glashärter (Oxide) gemischt. Die Eigenschaften des Glases können verändert werden, in dem der Basismischung ca. 1% verschiedene Metalloxide und –Fluoride zugemischt werden. So wird z.B. durch Zugabe von Blei-, Titan- und Lanthanoxid die Brechzahl erhöht, während Metallverbindungen – sogenannte Silberhalogenide – für Phototropie sorgen. Durch Erhitzen der Mischung auf 1.400°C bis 1.500°C entsteht dickflüssige Glasschmelze. Läuterungsmittel entfernen Gasblasen die sich in der heißen Masse bilden. Nach mehrstündigem Rühren fließt bei niedriger Temperatur die Glasschmelze in eine automatische Presse. Der Blank entsteht, indem mit einem Pressstempel heiße Glastropfen in Formen gepresst werden. Der letzte Schritt ist nun das Abkühlen. Über Tage wird der Pressling langsam auf Raumtemperatur abgekühlt und ist dann fertig zur Weiterverarbeitung.

Aus dem Blank wird ein Brillenglas

Die Blanks sind nun fertig, aber der Augenoptiker kann damit noch lange nichts anfangen. Nicht nur die optische Wirkung, auch jegliche Art der Veredelung fehlen komplett. Die Blanks machen sich nun auf eine Reise zu den Glasherstellern (wie Rodenstock, Zeiss, Essilor oder Hoya) um dort weiter verarbeitet zu werden. Erst danach werden die Gläser von Optik Past individuell für Sie und Ihre Brille vor Ort eingeschliffen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Brillenglas ist nicht gleich Brillenglas - Ihr Team von Optik Past!

erstellt am 15.09.2013 | letzte änderung am: 17.08.2019 | Stichwörter: Gläser Blank Herstellung